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Das Buch mit den sieben Siegeln Ausstellung der Künstlergilde Neersen
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... zur Ausstellung der Neersener Künstlergilde in der Friedenskirche |
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Die Offenbarung des Johannes und die Phantasie der KünstlerInnenzur Ausstellung der Neersener Künstlergilde in der FriedenskircheDie Offenbarung des Johannes hat das Thema geliefert - künstlerische Phantasie hat dieses Thema in sichtbare, fühlbare, beeindruckende Bilder und Exponate übersetzt. Wer die Ausstellung der Neersener Künstlergilde zwischen dem 24.2. und 10.3. gesehen hat, konnte sich ihr nicht entziehen. Mitglieder der Neersener Künstlergilde haben sich der Herausforderung gestellt, sich auf einen fremden vielleicht zunächst befremdlichen - biblischen Text einzulassen. Mit der altkatholischen Diakonin Hilde Freihoff haben die KünstlerInnen erst einmal die Offenbarung des Johannes entdeckt und diskutiert, ehe sie zu Farbe und Pinsel griffen. Am 24.2. wurde die Ausstellung eröffnet - in, mit und nach einem ökumenischen Gottesdienst, in dem Pfarrerin Voßkamp ihre Predigtreihe zu dem "Buch mit den sieben Siegeln" begann und der von Frau Freihoff mitgestaltet wurde. Beim anschließenden Sektempfang war Gelegenheit, die Werke der Künstlergilde zu betrachten und auch das eine oder andere Wort mit den KünstlerInnen selbst zu wechseln. Die Exponate waren so vielschichtig wie die Offenbarung selbst: Das neue himmlische Jerusalem, wunderschön, aber zerbrechlich in einer Seifenblase über der zerrissenen Welt schwebend ... die sieben Sendschreiben, in Form von Zeitungsartikeln in die Gegenwart geholt ... ein Hassrad, das als grausambeklemmende Variante des Glücksrades die von Menschen geschaffenen Katastrophen zeigt und den 2 Jahrtausende alten Text mit bedruckender Leichtigkeit aktualisiert ... eine Collage, die den Text von gestern beeindruckend real den Bildern von heute zuordnet ... Die Künstlergilde hat sich dem biblischen Text auf vielfältige Weise genähert. Neben den sehr unterschiedlichen Werken hat die Ausstellung jedoch vor allem eines gezeigt: Die Apokalypse, die Offenbarung des Johannes ist ein biblisches Buch, das uns in unserem Hier und Heute jede Menge zu sagen hat. |
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Harmagedon, Millenium und andere "Phantastereien"zur Predigtreihe über die Offenbarung des JohannesDie Offenbarung (Apokalypse) ist das "Buch mit den 7 Siegeln", das in unserer Kirche ein Schattendasein fristet. Luther befand, dieses Buch sei eine Kuriosität, vielleicht sogar gefährlich, und er wollte es aus dem biblischen Kanon streichen, vor allem wegen der Staatsethik im 13. Kapitel. In den offiziellen Vorschlagstexten für Predigten muss man lange nach der Offenbarung suchen - und findet fast nur Texte aus den "leicht verdaulichen" ersten oder letzten Kapiteln. Zur Zeit der NS und anderer Diktaturen stand die Offenbarung immer wieder auf dem Index, auf der Liste der verbotenen Bücher. Sie durfte nicht gepredigt werden, wiederum vor allem wegen ihres 13. Kapitels. (Und schon allein dies legt nahe, dass es sich bei der Apokalypse um ein äußerst interessantes Buch handeln muss ... In anderen Zusammenhängen erfreut(e) sich die Offenbarung allerdings größter Beliebtheit: Interessant war die Apokalypse für Künstler, die sich Anregungen aus diesem Buch holten und z.B. Maria auf der Weltkugel oder die apokalyptischen Reiter darstellten. Die Filmwelt fand Stoff für Katastrophenfilme; so entstanden aus den Inspirationen der Apokalypse Kassenschlager wie "Apocalypse now", "Das siebte Zeichen" oder "Armageddon". Vor allem aber ist die Offenbarung das Buch fast aller Sekten, namentlich der Zeugen Jehovas. Sie haben sich die Offenbarung zurecht gelegt, um ihre Anhänger unter Druck zu setzen: Nur 144.000 werden gerettet in der Endschlacht von Harmagedon. Alle Nicht-Zeugen gehören zur "Welt Satans" und werden in Harmagedon vernichtet. Mit der Offenbarung haben führende Zeugen immer wieder den nahen Weltuntergang errechnet und damit ihre Anhänger in Massenpanik versetzt. Aber auch die Satanisten greifen gern auf die Apokalypse mit ihren Zahlenspielen zurück. Ihr wichtigste Symbol, die Teufelszahl 666, stammt direkt aus dem schon erwähnten 13. Kapitel. So weit, so schlecht. Heißt das, wir als Kirche sollten die Finger von diesem seltsamen Text lassen? Sicher nicht! Denn eben das hat sich gerächt. Die Kirche hat diesen Text denen überlassen, die daraus ein Machtinstrument schufen, um Menschen in Panik zu versetzen. Sie hat sich um diesen fremd und verrückt anmutenden Text herumgedrückt und hat so Anteil daran, dass die Verrückten ihre (gefährlichen) Verrücktheiten gar mit vermeintlicher Unterstützung des Wortes Gottes verbreiten... Nun aber zu dem, was man wissen sollte: um die Offenbarung entdecken und verstehen zu können: Der AutorDie Offenbarung wurde in den biblischen Kanon aufgenommen, weil man annahm, der Autor sei derselbe Johannes wie der des Evangeliums oder der Briefe. Aber das ist nicht so. Der Autor ist Presbyter, also "Leiter" der Gemeinden Kleinasiens. Er lebt im Exil auf der Insel Patmos "um des Wortes Gottes willen", ist also christlicher Märtyrer. Er ist gebildet, spricht Griechisch, und kennt auch "seine" jüdische Bibel, das Alte Testament, sehr genau. Viel mehr erfahren wir nicht von ihm. Die ZeitGeschrieben wurde die Offenbarung etwa um das Jahr 100 herum. Diese Zeitangabe lässt sich aus den Schilderungen der Offenbarung über die politische Gesamtsituation entnehmen. Der OrtEigentlich ist die Apokalypse ein Brief, ein Rundschreiben des Johannes an "seine" Gemeinden in Kleinasien. Die Empfänger sind die Christinnen und Christen in Ephesus, Smyrna, Laodicea, Sardes, Philadelphia, Thyatira und Pergamon, die z.T. auch Paulus rund ein halbes Jahrhundert früher bereist hatte, und die am Mittelmehr liegen. Die politische GesamtsituationZum ersten Mal wurden Christen zu Märtyrern, als Kaiser Nero (54-68) ihnen die Schuld für den Brand Roms in die Schuhe schob und viele römische Christen den Löwen vorwarf. Diese junge Religion, noch nicht organisiert und etabliert, eignete sich gut', sie war Neros Nachstellungen weitgehend hilflos ausgeliefert. Die Christenverfolgung Neros war zwar auf Rom beschränkt gewesen, aber auch die Christen in den anderen Teilen des römischen Weltreiches wussten davon und fürchteten, so etwas könne sich wiederholen. Zur Zeit der Offenbarung herrschte Kaiser Domitian. Er sah sich als "neuer Nero", war ein schlimmer Diktator. Zugleich war Domitian der erste Kaiser, der für sich in Anspruch nahm, "Gott" zu sein. Er ließ sich von seinen Untertanen als "Gott" verehren, ließ überall Statuen von sich aufstellen, die anzubeten waren. Wer nicht Domitians Standbild anbetete, beging Hochverrat und der Gotteslästerung. Das war ein unlösbares Dilemma für die Christen: Ihr einziger Gott war und ist der Gott der Herr, der Vater Jesu Christi. Wenn sie sich dem Zwang beugten, Domitian als Gott zu verehren, müssten sie den wahren Gott verleugnen. Der Kult um Domitian wurde in Kleinasien am schärfsten betrieben; dort wurden Verstöße am härtesten geahndet, wurden Hochverräter und Gottesleugner brutal verfolgt. Viele Christen traf es, denn sie mussten sich weigern, Domitian als Gott anzuerkennen. Als Kaiser ja, die Christen waren immer eher staatstreu, aber als Gott nein. Christen weigerten sich also, und das führte unweigerlich ins Martyrium. Zu der Zeit, als Johannes schreibt, muss er selbst bereits im Exil leben, und erste Blutzeugen hat es auch schon gegeben. Der CodeJohannes weiß, dass seine Glaubensgeschwister in Kleinasien der Verfolgung Domitians ausgesetzt sind. Was kann er also von der Insel Patmos aus tun, um sie zu stärken? Er schreibt einen Brief, die Apokalypse. Sie ist ein Dokument der Widerstandsliteratur. Die Kunst des Briefeschreibens an eine verfolgte Gemeinde ist die: Damit der Brief ankommt, muss er ihn codieren, muss so schreiben, dass die Verfolger den Brief für ungefährlich halten, aber gleichzeitig die Christen ihn verstehen. Er muss einen Code finden, der dieses brisante Schriftstück nach außen hin harmlos erscheinen lässt. Der Code des Johannes heißt: Altes Testament. Die Christen kannten ihre jüdische Wurzel, die Römer nicht. Die Christen konnten aus dem Hebräischen und Griechischen ableiten, die Römer (die nur Latein sprachen) nicht. Dieser Brief, der nach außen hin wirkt wie die versponnenen Ausflüsse eines verrückten Phantasten - und der auch so wirken sollte! -, will erst dechiffriert, übersetzt sein, damit man seinen wahren Inhalt versteht. Johannes benutzt gleich mehrere Codes, die das Entschlüsseln doppelt schwer machen. Ein wichtiger Ansatz sind Zahlenspiele. Wer das AT liest, stellt fest, dass die Zahlen 7 und 12 immer für die "Gesamtheit", "Vollendung" stehen. Also nutzt Johannes diese Zahlen oft - es sind nicht zufällig sieben Orte als Adresse genannt... Aber mit Zahlen ließ sich noch etwas anderes anstellen: Im Hebräischen (und Griechischen) gibt es nicht eigene Ziffern, sondern jeder Buchstabe steht gleichzeitig auch für eine Zahl. Wenn man also Zahlen liest und weiß, wie's geht, kann man jede Zahl in Buchstaben verwandeln - und hat so die wahre Botschaft hinter den Zahlen entdeckt. Die Gemeinde hat also die seltsamen Zahlen in der Apokalypse ins Hebräische rückübertragen und dann die so gewonnene neue Ziffernfolge in Buchstaben umgewandelt. Auf diese Weise ergibt sich z.B. aus der Zahl 666 des "Tieres aus dem Abgrund" (Kapitel 13), die Umschrift "Neron Kaisar. Will heißen: Das Tier aus dem Abgrund ist der römische Diktator, der neue Nero, also Domitian. Mit einer banalen Zahl sagt Johannes also in Wirklichkeit-. Diese Regierung, unter der Ihr leidet, ist nicht von Gott. Sie ist ein Unrechtsregime, das sich jetzt wie ein wildes Höllentier gebärdet, das sich aber nicht auf Dauer durchsetzen wird. Und weil diese Regierung nicht von Gott ist, müsst Ihr ihr auch nicht folgen. Neben den Zahlen greift Johannes auch auf alttestamentliche Ereignisse zurück. Was wie eine Rückschau wirkt, ist in Wahrheit eine Analyse der Gegenwart, gekoppelt mit Handlungsmöglichkeiten. Die "Hure Babylon" (Kapitel 17-19), die sich wie eine große Dame gibt, aber in Wahrheit doch nur verkommen ist, steht wiederum für das Regime (BabyIon = Rom), das protzig daherkommt, aber in Wirklichkeit verworfen ist. Und sie spielt an auf die in den Prophetenbüchern (z.B. Jesaja, Hesekiel) vorkommende Unterjochung Israels durch das damalige babylonische Weltreich, die mit der Rettung Israels und dem Untergang Babylons endete. Das wussten die Christen im Gegensatz zu den Römern auch wieder sehr genau. Und so ist die ganze Apokalypse übervoll von Anspielungen, die die "Eingeweihten" mühelos verstanden, die für Außenstehende aber nur wie ein Phantasie-Märchen wirkten. Christa Voßkamp |
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